Offen für die Wahrheit und Gegenwart Gottes
Bischof Wiesemann predigt bei Maiandacht des Kolpingwerkes - "Maria, Mutter der Kirche"
Otterberg (21.05.2010). Die Zisterzienserabteikirche zu Otterberg war bis auf den letzten Platz gefüllt: Mehr als 800 Gläubige verschiedener Nationen, Mitglieder des Kolpingwerkes und anderer katholischer Organisationen waren in einer der schönsten und bedeutendsten Kirche der Pfalz zusammengekommen, um gemeinsam für den Frieden in der Welt und ein geeintes Europa zu beten, das sich seiner christlichen Wurzeln bewusst bleibt. Unter ihnen waren der Abgeordnete des Europäischen Parlamentes, Kurt Lechner (Kaiserslautern), die Landtagsabgeordnete Marlies Kohnle-Gros (Hütschenhausen) sowie Diözesanpräses Pfarrer Andreas König (Frankenthal) und die Diözesanvorsitzenden Klaus Butz (Speyer/Otterbach) und Toni Brunold (Mainz/Alzey). Banner der Kolpingsfamilien und marianischen Vereinigungen, die Schönstatt-Familie, eine Abordnung der polnischen Gemeinde mit der schwarzen Madonna von Tschenstochau und die portugiesische Gemeinde mit der Muttergottes von Fatima prägten die festliche Einzugsprozession in den Chor der Kirche.
Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann stellte an den Ausgang seiner Überlegungen eine Vision des Heiligen Johannes Bosco, jenes Heiligen, der mit seiner Fröhlichkeit des Herzens Menschen - vor allem junge Menschen - faszinieren konnte. Don Bosco habe viel mit Adolph Kolping gemein. Wie dieser habe er junge Menschen bilden und auf eine Aufgabe in Beruf und Leben vorbereiten wollen. Dabei sei es ihm um die Herzensbildung, um die Bildung des Wesenskerns des Menschen, seiner Seele gegangen.
1862 habe Don Bosco einen Traum geträumt, eine Vision von der Kirche in Zeiten der Verfolgung: Es ist das Bild von der Kirche als Schiff im stürmischen Meer, verfolgt von feindlichen Booten. Der Papst ist Kommandant des Schiffes. Er steuert das Schiff zwischen zwei aus dem Meer aufragende Säulen, einer größeren und einer kleineren, die größere versinnbildet die Eucharistie, die kleinere die Jungfrau und Gottesmutter Maria. Zwischen den Säulen ist das Petrusschiff geschützt. Da wird der Papst von einer Kugel getroffen und stirbt. Schnell jedoch wird ein Nachfolger gewählt, der mit neuem Mut und neuer Zuversicht das Kirchenschiff im Schutz der beiden Säulen durch die Meere der Zeit sicher führt.
Die Kirche als Schiff mit dem Papst als Steuermann sei ein altes Motiv. Die beiden Säulen geben "Halt, Orientierung und stärken die Kirche auch heute", sagte Bischof Wiesemann. Beide Säulen, die Heilige Eucharistie und Maria, gehörten zusammen. In der Eucharistie sei Christus selber gegenwärtig. Die Liebe zur Eucharistie sei konkrete Liebe zu Jesus Christus. Damit stehe und falle die Kirche. "Denn die Kirche ist sein Leib!" Das Sakrament des Altares gewähre ihr Halt, Festigkeit und Kraft auf ihrem Weg durch die Zeit. Kirche könne dann nicht mehr ihre innere Bestimmung verlieren. Jesus Christus habe sich selbst in der Kirche festgemacht: "Ich bin bei euch, mitten unter euch. Ich lasse euch nicht allein."
Die zweite Säule, Maria, werde im Traum gesehen, wie sie Bernadette kurz zuvor in Lourdes geschaut habe, als die Unbefleckte Empfängnis. Maria sei die, die uns zu Christus hinführe, "weil sie die ganz Reine ist". Sie sei die, die ganz offen gewesen sei für die Empfängnis des Wortes Gottes, das durch sie in die Welt gekommen ist. Sie zeige uns, was es heiße, sich zu öffnen für die Wahrheit und Gegenwart Gottes, ganz von ihm her zu leben, das Leben durch Christus verwandeln zu lassen. So werde sie zur Mutter des Glaubens, zur Mutter der Kirche. "Sie hatte die reine Liebe in sich selbst, die Gottesliebe, die zur Nächstenliebe wird."
Mit Christus verbunden seien wir gestärkt und immun gegen viele Gefahren in der Welt. Wie Maria könnten wir dann im Vertrauen auf Jesus Christus unser "Mir geschehe nach deinem Wort" sprechen.
Die Liturgie leitete Bezirkspräses Pfarrer Jörg Stengel (Weilerbach). Musikalisch wurde die Marienfeier von der Kolpingkapelle Kindsbach unter der Leitung von Bernd Jörg und den Kirchenchören aus Hochspeyer und Thaleischweiler unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor i.R. Raimund Mattern (Kaiserslautern) gestaltet. Organist war Klemens Heß (Hochspeyer). Der Erlös der Kollekte in Höhe von 1150 Euro kommt dem Aufbau des Kolpingwerkes im Bundesstaat Tocantins (Brasilien) zugute. Text: kolping / Foto: brehm
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