"Der Weg aus dem Heim – aber wie?"
Fachtagung mit Beteiligung des Caritas-Förderzentrum St. Johannes zeigt Wege für mehr Teilhabe psychisch kranker Menschen
"Ich will hier raus! Das hält man ja im Kopf nicht aus!" Ein psychisch kranker Mensch hat sich das Ziel gesetzt, dass er das Wohnheim verlassen möchte, weil ihm dort alles zu eng und zu viel wird. Auch eine betreute Wohnung will er nicht mehr, sondern künftig ganz allein und selbst verantwortlich sein Leben meistern. Das war der Ausgangspunkt eines szenischen Stückes, das im Rahmen der Fachtagung "Der Weg aus dem Heim – aber wie?" im Foyer des Kulturzentrums "Das Haus" in Ludwigshafen aufgeführt wurde.
Veranstalter der Fachtagung war neben dem Caritas-Förderzentrum St. Johannes mit Max-Hochrein-Haus der Verein zur Unterstützung Gemeindenaher Psychiatrie in Rheinland-Pfalz sowie der Verein der Psychiatrie-Erfahrenen. "Für dieses Thema sind wir immer offen", betonte Christine Stadler, Leiterin des Caritas-Förderzentrums. Denn schon seit Jahren wird hier psychisch Kranken über das persönliche Budget die Möglichkeit gegeben, so weit wie möglich selbstbestimmt zu leben. Viele dezentrale Wohngruppen geben die Möglichkeit, so selbstständig wie möglich zu leben mit so viel Unterstützung wie notwendig.
Der Mann, der als erster im Land Rheinland-Pfalz das persönliche Budget in Anspruch nahm, lebte damals in St. Johannes. Inzwischen bewohnt er eine eigene Wohnung und hat über ein Projekt eine Arbeitsstelle. Diese "Erfolgsgeschichte" erzählte Caritasdirektor Vinzenz du Bellier bei der Eröffnung der Tagung. Er machte deutlich, dass der Weg zu mehr Würde, Teilhabe und Selbstbestimmung von psychisch kranken Menschen einen Perspektivwechsel erfordere: von Fürsorge zu Selbstbestimmung, vom Patient zum Bürger, von Integration zu Inklusion.
Dr. Richard Auernheimer, Geschäftsführer des Vereins zur Unterstützung gemeindenaher Psychiatrie in Rheinland-Pfalz, betonte, wie aktuell das Thema sei. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Veränderung psychiatrischer Einrichtungen und die Entwicklung der gemeindenahen Psychiatrie zu begleiten. Das Ziel: Gemeinden für Kinder, Jugendliche, für behinderte Menschen und deren Familien offener zu gestalten. Außerdem setzt er sich für die gesellschaftliche Wiedereingliederung psychisch kranker Menschen ein und möchte die besondere Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit darauf lenken, dass Angebote und Einrichtungen der gemeindenahen Psychiatrie an möglichst vielen Orten gebraucht werden. Auernheimer mahnte die Suche nach Wegen aus dem Heim und nach neuen Konzepten an, und zwar nicht unter dem Aspekt der Finanzen. Zwar seien Heimaufenthalte vergleichsweise teurer als andere Modelle, „aber die Verantwortlichen dürfen sich auf diese Weise nicht aus ihrer Zuständigkeit heraus schleichen.“
Kein Mitleid, keine Überforderung
In einem Filmbeitrag von Ton-Vinh Trinh-Do, dem Leiter des Bereichs Wohnen im Caritas-Förderzentrum St. Johannes, wurde deutlich, was Betroffene unter "Teilhabe" verstehen und was gesunde Menschen sich wünschen. An erster Stelle steht bei den Betroffenen der Wunsch nach einem Wohnungsangebot, um überhaupt aus dem Heim ausziehen zu können und in ein Umfeld zu gelangen, in dem sie integriert leben. Arbeitsplätze werden gewünscht. Im sozialen Miteinander gibt es zwei Anliegen: Sie wollen ernst genommen werden statt bemitleidet, und sie wollen gefordert, aber nicht überfordert werden. Anderen psychisch Erkrankten geben sie den Rat, sich nicht zurückzuziehen, sondern Teilhabe zu erkämpfen, und das Beste aus der Erkrankung zu machen.
Wie das Theaterstück ausging? Der Heimbewohner wurde zu vielen Menschen geschickt, die sich um ihn kümmern: zur Ansprechpartnerin in seinem Wohnheim, zu seiner gesetzlichen Betreuerin, zu seiner Psychiaterin. Sie alle sind anfangs überrascht von seinem Wunsch und sehr skeptisch. Er aber ist überzeugt, dass er es schaffen kann, selbstbestimmt und allein zu leben, und es wird eine Übergangslösung gesucht, um ihm das zu ermöglichen.
Kontakt:
Caritas-Förderzentrum St. Johannes mit Max-Hochrein-Haus
Kaiser-Wilhelm-Str. 41a
67059 Ludwigshafen
Telefon 0621 / 5952-0 Text / Foto: caritas
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