Aufbau der Hauptorgel im Speyerer Dom beginnt
Montage ab August - Intonation und Weihe erst 2011
Speyer (23.07.2010). Nach eineinhalbjähriger Fertigungszeit in der Orgelbauwerkstatt Seifert in Kevelaer kann in den kommenden Wochen im Speyerer Dom mit dem Aufbau der neuen Hauptorgel begonnen werden. Das Projekt nimmt etwa ein Jahr in Anspruch, da die Intonation des Instrumentes mit seinen 82 Registern erst im kommenden Sommer erfolgen kann. Die feierliche Orgelweihe ist auf den 25. September 2011 terminiert.
Nach noch erforderlichen Vorarbeiten werden die Orgelbauer Mitte August mit der eigentlichen Montage des 12 Meter hohen, 9,50 Meter breiten und fast 6 Meter tiefen Instrumentes beginnen. Das neue Werk ersetzt die alte Hauptorgel aus dem Jahr 1961, die erhebliche Defizite aufwies und 2009 der katholischen Gemeinde von Bialystok in Ostpolen für ihre Pfarrkirche überlassen wurde. Es wird kombinierbar sein mit der bereits am 22. November 2008 eingeweihten Orgel im Königschor aus derselben Werkstatt, womit dem riesigen Innerraum des Domes mit seiner problematischen Akustik optimal Rechnung getragen werden kann.
Die neue Orgel, deren Prospektgestaltung auf einen Entwurf des Kölner Architekten Professor Gottfried Böhm zurückgeht, wird frei und ohne eigentliches Gehäuse in die Emporenöffnung der Westwand hineingestellt, sodass die mächtige Bogennische selbst als Orgelgehäuse wirkt. Dazu waren in den vergangenen Monaten unter der Bauleitung des mit der Domrestaurierung beauftragten Architekturbüros von Professor Johannes Cramer umfangreiche statische Vorbereitungsarbeiten notwendig. Insbesondere musste eine Präzisionsrahmenkonstruktion eingebaut werden, für die elf Tonnen Stahl zur Verwendung kamen. Vier Stützen tragen den Trägerrost für den Spieltisch und die Orgeltechnik, die weiteren Orgelteile werden an Gitterträger aufgehängt. Für den Einbau musste auch der Boden der Orgelempore um rund 70 Zentimeter abgesenkt werden.
Das Werk selbst wird nach Angaben des Inhabers der Orgelbaufirma, Roman Seifert, in zwei Etagen über der Sängerempore aufgebaut. Es erhält 5278 Pfeifen aus Zinn-Blei-Legierung und aus Holz. Diese werden von sechs elektrischen Gebläsen betrieben, die zusammen eine Leistung von 109 Kubikmetern pro Minute erzeugen, das sind 109 000 Liter pro Minute. Über insgesamt 80 laufende Meter Kanalanlage gelangt der Wind von den Gebläsen über die sieben Bälge zu den Windladen, auf denen die Pfeifen platziert sind.
Zur Ansteuerung der Pfeifen vom Spieltisch gelangen die mechanischen Impulse über insgesamt 1500 laufende Meter Abstrakten, das sind feine Leisten aus Hochgebirgsfichte. Diese – wie auch das Gros der Orgeltechnik – sind nach historisch tradierten Handwerksregeln verarbeitet, die sich an der Blüte des Orgelbaus Ende des 18. Jahrhunderts orientieren. Die größte Pfeife, eine Labialpfeife aus Holz, hat eine Länge von 9,90 Metern, die größte Metallpfeife misst 8,80 Metern. Die 82 Register (Klangfarben) können über vier Manuale und Pedal angespielt werden. Insgesamt sind bis zur Indienstnahme der großen Orgel weit mehr als 20 000 Arbeitsstunden notwendig.
Orgelneubau seit 1996 auf Projektliste der Domrenovierung
Die "Optimierung der Orgelsituation im Speyerer Dom" steht schon seit 1996 auf der Projektliste der laufenden großen Domrenovierung. Für die komplette Finanzierung der neuen Orgel konnte die "Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer" bereits vor zwölf Jahren einen Sponsor gewinnen: Drei Mitglieder der Unternehmerfamilie Quandt in Bad Homburg, Johanna Quandt mit ihren Kindern Susanne und Stefan, hatten für die neue Orgel drei Millionen Mark (heute mit Zinsen 1,8 Millionen Euro) zur Verfügung gestellt. Text und Foto: is

