Aus der Geschichte des Doms
Der mittelalterliche Dom (Zeichnung aus dem Jahr 1606)
Als Konrad II. bald nach seiner Wahl zum deutschen König im Jahr 1024 in Speyer den Dombau in Angriff nahm, hatte er ein ehrgeiziges Ziel: Inmitten seines Familienbesitzes - die Salier waren Herzöge von Rheinfranken und Grafen im Speyergau - wollte er den größten Dom des ganzen christlichen Abendlandes erstellen. Unter Kaiser Heinrich IV., dem Enkel des Gründers, konnte der Dom 1061 geweiht werden
Doch kaum 20 Jahre nach der Weihe begann der Kaiser mit einem Umbau, der weitgehend einem Neubau gleichkam. Die Ostteile wurden umgestaltet und reicher gegliedert. Das Mittelschiff, das bisher eine flache Holzdecke als Abschluß hatte, erhielt ein Kreuzgratgewölbe. Außen bekrönte man das Mauerwerk mit der Zwerggalerie und auch die Türme wurden neu aufgeführt. Als Heinrich IV. im Jahr 1106 starb, stand der Dom vollendet, das damals größte Bauwerk des Abendlandes (444 römische Fuß lang, das entspricht 134 Metern, und im Mittelschiff 111 römische Fuß bzw. 33 Meter hoch).
Historisch in besonderer Erinnerung blieb der Besuch des berühmten Zisterzienserabtes Bernhard von Clairvaux an Weihnachten 1146 im Speyerer Dom, der hier mit einer wortgewaltigen Predigt den deutschen König Konrad III. und mehrere Tausend Ritter zur Teilnahme am zweiten Kreuzzug bewegte. Im Schatten des Domes fanden auch über 50 Reichstage statt. Die größte Tragweite hatte der "Reichstag der Protestation" im Jahr 1529, auf dem die evangelischen Fürsten und Städte für die ungehinderte Ausbreitung der reformatorischen Lehre eintraten.
Immer wieder wurde in diesen Jahrhunderten das Familienwerk der Salier von Bränden heimgesucht Doch der verheerendste Schlag traf den Dom im Schicksalsjahr 1689, als im pfälzischen Erbfolgekrieg die Truppen Ludwigs XIV. die Kurpfalz systematisch verwüsteten. Sie hatten bereits die Städte Heidelberg, Mannheim, Frankenthal und Dürkheim eingeäschert, ehe sie Hand an Speyer legten. Im Dom wurden die Kaisergräber aufgebrochen und geplündert, bevor das Bauwerk selbst in Brand geriet. Schließlich fiel die ganze westliche Hälfte des Domes den Sprengversuchen der Soldaten zum Opfer. Kaum war das Gotteshaus mit einem barocken Westbau neu erstanden, brach die Französische Revolution aus; der aufgeputschte Pöbel wütete im Dom und zerstörte alle Altäre. 1806 sollte der Dom sogar abgerissen und als Steinbruch verwendet werden.
Als die Pfalz nach dem Wiener Kongreß (1815) und dem Münchener Vertrag zwischen Bayern und Österreich (1816) an Bayern kam, ließ König Max I. das Gebäude als Bischofskirche wiederherstellen.
Auf Anordnung Ludwigs I. malten 1846 bis 1853 Johann Schraudolph und Joseph Schwarzmann den Dom im nazarenischen Stil aus. 1854 bis 1859 ließ der König durch den Karlsruher Baudirektor Heinrich Hübsch den westlichen Querbau mit den beiden Vordertürmen in neuromanischen Formen errichten.
Die umfassendste Domrestaurierung dieses Jahrhunderts konnte im Frühjahr 1957 eingeleitet werden. Die Ausmalung und der Verputz des 19. Jahrhunderts wurden entfernt, von den Fresken Schraudolphs blieb lediglich der 24-teilige Marienzyklus am alten Platz. Die Pfeiler erhielten zur Festigung Zementinjektionen. Schließlich wurde der Boden auf das ursprüngliche Niveau tiefergelegt, so daß Größe und Harmonie des Raumes wieder richtig zum Ausdruck kamen. Außen wurden die Dächer abgesenkt und die Giebel von Querhaus und Chor reromanisiert.
Doch wo der Zahn der Zeit so lange am Werk sein konnte, bleibt jede Instandsetzung nur Stückwerk. Seit 1996 läuft ein neues Restaurierungsprojekt. Um die Arbeiten ideell und finanziell zu unterstützen, wurde 1995 ein Dombauverein gegründet. Zudem setzt sich die "Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer" für die langfristige Erhaltung der Kathedrale ein.
Weitere Informationen:
Der Domnapf
