Rundgang durch den Speyerer Dom

Innenraum des Domes

Der Innenraum des Domes

Einen großartigen Eindruck von der Monumentalität des Domes erhält man schon beim Eintritt. Besondere Aufmerksamkeit verdient das einzigartige Gliederungssystem der Mittelschiffwände. Je zwei Arkadenbögen sind zu einem Joch vereinigt, dem wiederum je zwei Joche in den Seiten schiffen zugeordnet sind. So entsteht das "gebundene System". Um den Druck der weitgespannten Kreuzgratgewölbe aufzunehmen, wurde jedem zweiten Pfeiler eine mächtige, durch ein Zwischenkapitell geteilte Halbsäule vorgelegt.

Die Fenster und die Arkaden zu den Seitenschiffen sind nicht mehr einfach in die Wand geschnitten, sondern durch doppelte Blendbögen zurück gestuft.

Langhauswand

Das Mauerwerk selbst wurde ohne Verbindung zwischen die Pfeiler gesetzt. Damit ist in Speyer schon ein gotischer Baugedanke, die skelettartige Trennung von tragenden und füllenden Mauerteilen, vorgebildet.

Während die Mittelschiffgestaltung auf den Umbau des Domes in hochromanischer Zeit zurück geht, weisen die Seitenschiffe noch ganz die Grundzüge des ersten, frühromanischen Baus auf: Einheitliche Pfeilerarkaden, deren vorgesetzte Halbsäulen die Gewölbe tragen, reihen sich zu einer über 71 Meter langen, völlig symmetrischen Raumflucht.

Seitenschiff Rudolph von Habsburg Krypta

Blick ins rechte Seitenschiff

Grabmal König Rudolfs von Habsburg

Die frühromanische Krypta

Der frühesten Bauphase des Domes entstammt die Krypta, eine der größten des Abendlandes. Vier Raumteile mit 39 kubischen Einzeljochen vereinigen sich zu einer weiten Hallenkrypta, die außer Apsis und Chor auch die Vierung und das gesamte Querhaus unterfängt. Die Gewölbe sind mit sieben Metern für eine Krypta ungewöhnlich hoch. Besonders reizvoll ist das gelb-rote Farbspiel der sichelförmigen Gurtbögen, die von den schlanken Rundsäulen mit ihren wuchtigen Würfelkapitellen aufgefangen werden. Von der Krypta aus ist durch einen Zugang nach Westen die schlichte Grablege der mittelalterlichen Kaiser und Könige zu erreichen. Sie wurde in den Jahren 1900 bis 1906 in ihrer heutigen Form gestaltet und überwölbt.

Zu den schönsten Teilen des Domes gehört ohne Zweifel das Querhaus, das mit der 46 Meter hohen Kuppel über der Vierung und dem tonnengewölbten Chor eine harmonische Einheit bildet. In seiner ungemein reichen architektonischen Gliederung findet der romanische Baustil zu höchster Reife.

Wandkapelle

Wandkapelle im Querhaus des Domes

Singulär im Kathedralbau dieser Zeit sind die kleinen Kapellen in den Wänden von Querhaus und Chor. Aus dem dicken Mauerwerk regelrecht ausgespart, öffnen sie sich mit jeweils zwei Rundbögen, die von einer Mittelsäule getragen werden, zum Innern des Domes hin. Im Vierungsraum, dem Schnittpunkt von Langhaus und Querhaus, offenbart sich auch am deutlichsten der theologische Aspekt der Architektur: Die auf der Kreuzform, dem Zeichen der Erlösung gründende Kirche, die sich nach Osten der aufgehenden Sonne, dem Symbol der Auferstehung, entgegenstreckt, öffnet sich über dem Altar (in der Kuppel) dem Himmel.

Den Rundgang durch den Dom sollte man nicht beenden ohne einen Besuch der beiden einzigen Kapellen, die von dem mittelalterlichen Kapellenkranz erhalten geblieben sind: die zweigeschossige Kapelle St. Martin und St. Katharina im Winkel zwischen südlichem Seitenschiff und Südquerarm sowie die Afrakapelle an der Nordseite. Beide zeichnen sich vor allem durch ihre kunstvollen Säulenkapitelle aus. Die Afrakapelle birgt zudem mehrere spätgotische Steinskulpturen und Grabdenkmäler, die sich ursprünglich im Dom und im 1821 abgebrochenen Kreuzgang befanden. Wegen ihrer Abgeschlossenheit und stillen Lage lädt gerade diese Kapelle, die auch als Sakramentskapelle genutzt wird, zur Besinnung und zum Gebet ein. In der Katharinenkapelle sind seit Dezember 2000 die Reliquien des Domes ausgestellt.

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